Kindel wird Ironman

Am vergangenen Sonntag, dem 02.06.2024, startete Trianha Nils Kindel über seinen ersten Langdistanz-Triathlon beim Ironman Hamburg. Hier folgt nun sein sehr persönlicher Rennbericht:

Er war gekommen. Der Tag der Tage. Vor ziemlich genau 9 Monaten hatte ich mich angemeldet und mich auf den Weg in Richtung Ironman begeben. Der Gedanke einmal bei so einem Event zu starten, schwebte mir schon länger im Kopf – ja fast seitdem ich den Trianhas beigetreten war. So hatten doch in meinem ersten Jahr im Verein Dani und Oli beide auf eine Langdistanz hintrainiert. Vor allem Danny, die sich zur „Ostseewoman gebloggt“ hatte, hatte mich doch in dieser frühen Phase sehr stark geprägt.

Vieles hatte ich in den vergangenen Monaten zurückgestellt, um mich auf das Training konzentrieren zu können. Das Training gab mir einiges, aber es hatte mir auch vieles genommen. Zu mal der Druck im Hinterkopf, dass Training nun Pflicht und nicht mehr Kür war, hatte mir doch zugesetzt. Auch war immer der Zweifel da gewesen, ob mein Training reichen würde – ich war fit, ja, aber fit genug für diese Herausforderung? Es würde sich alles auf der Strecke zeigen.

Um halb 4 erhob mich aus dem Bett der Ferienwohnung. Das Material hatte ich am Samstag schon vorsorglich deponiert, so konnte ich in Ruhe einen Kaffee und zwei Scheiben Toast mit Marmelade verschlingen. Begleitet zum Start wurde ich von meinen Eltern sowie meinem größten Supporter René und seiner besseren Hälfte Julia. Nach Reden war mir nicht zu Mute. Übel war mir vor Anspannung. Ich pellte mich in meinen Neopren-Anzug rein, verabschiedete mich von meiner Support-Crew und reihte mich in die Unmengen an Triathleten ein, um den Sprung ins kühle Nass zu wagen.

Der rollende Start zog sich ewig. Eine halbe Stunde wartete ich in der Menge, bis es endlich in die Alster ging. Das Wasser war kühl, aber unbeirrt fand ich in meinen Rhythmus. Die braune Brühe war nicht das beste Wasser zum Schwimmen und unter den Brücken verlor man komplett die Orientierung, aber den Blick immer auf die nächste Boje gerichtet, konnte ich das Schwimmen problemlos absolvieren. Nach 1:21:33 h kletterte ich aus der Alster.

Wechsel vom Schwimmen aufs Rad

Aus dem Wasser raus, wurde ich erschlagen von der Menge an Zuschauern, die am frühen Morgen schon an der Strecke standen. Ab ging es in die Wechselzone und rauf aufs Rad. Mein Körper war nun vollkommen vollgepumpt mit Adrenalin. Ich bemühte mich, mich zu bremsen und mich darauf zu konzentrieren betont locker anzufahren. Essen, trinken und dabei immer schön weiter trampeln, das galt es nun zu beachten. Auf die angesagten 22 °C wartete ich vergebens. Kalt und zugig war es auf der Radstrecke – doch das war alles auszuhalten. Ich hatte Spaß und die ersten 60 Kilometer verflogen problemlos. Doch als die Richtung drehte und damit Gegenwind anstatt, wurde es ein bisschen zäh. Mein Magen krampfte ein wenig. Ich nahm etwas Tempo raus und rollte wieder nach Hamburg rein. Zweite Runde und ab dafür. Irgendwo auf der Radstrecke verfolgte Florian mein Rennen – nur ich sah ihn leider nicht. Es ging aber trotzdem weiter. Der Magen beruhigte sich wieder und mit Rückenwind ging es wieder aus der Stadt raus. Die Beine zeigten keine Spur von Müdigkeit. Es war für mich unglaublich, was für eine Leistung ich hier scheinbar mühelos abrief. Das Training war wohl doch nicht umsonst gewesen. Ich rollte nach 5:51:34 h wieder in Wechselzone ein.

Das war der Tag der Tage. Ich fühlte mich gut, als ich die Laufschuh schnürte. Die Stimmung auf der Laufstrecke war unbeschreiblich. Der Jubel, die Musik, all das putschten mich auf. Die erste Runde verflog problemlos. Auf der zweiten Runde entdeckte in der Menge Dani. Welch Ironie des Schicksals, dass genau die, die der Anreiz für diese Reise gewesen war, nun hier war. Mit einem Lächeln im Gesicht ging es weiter. Ich drosselte zwar das Tempo etwas von Runde 1 auf 2, aber noch ging es mir gut. Meine Supporter jubelten mir zu und Runde 3 wurde hart, aber als ich wieder an ihnen vorbeilief, gab ich nur das Kommando: „Jetzt ab ins Ziel mit euch!“.

Kindel beim Lauf

Auf Runde vier spürte ich deutlich, wie meine Kräfte schwanden und es immer schwerer wurde zu laufen – aber Laufen ist effizienter als gehen, also lief ich weiter, zwar langsamer, aber ich lief. Und jeden Geher, den ich dabei überholte, bestärkte mich in meinem Willen, das hier und heute zu Ende zu bringen. Bei Kilometer 38 traf ich nochmal auf René, sein Brüllen und Jubeln gaben mir noch einmal Mut, auch wenn es mittlerweile sehr schwer schien.

Doch dann gab es das letzte Rundenbändchen und die Zielgrade lag vor mir. Die Endorphine und das Adrenalin pumpten nur so durch mich. Worten können nur schwer beschreiben, wie ich mich in diesem Moment fühlte. Freudenschreie entrannen meiner Kehle. Ich leutete die Glocke am Eingang zum Zielkanal. „Nils, you are an Ironman!“, erklärte der Moderator, während ich die letzten Meter über den roten Teppich lief. Bei 11:51:10 h blieb die Uhr für mich stehen. Den Marathon hatte ich in 4:15:13 h absolviert. Überglücklich und vollkommen fertig bekam ich im Ziel meine Medaille und eine Decke damit ich nicht auskühlte. Hinter der Ziellinie empfingen mich meine Eltern, René, Julia und Dani. Alle gratulierten mir. Direkt drückte mir meine Mutter mein Handy in die Hand, damit ich meine Freundin anrufen konnte. Aufgrund einer Mittelohrentzündung hatte sie nicht mir nach Hamburg kommen können. Überglücklich erklärte ich ihr, dass es mir gut ging und alles gut war.

Im Ziel: Trianhas Nils Kindel mit Ex-Coach Daniela Pätsch
Im Ziel: Kindel überglücklich mit Ex-Coach Daniela Pätsch

Nach einer warmen Dusche und eine Stärkung im Athletes Garden, ließ ich den Abend in der Ferienwohnung gemütlich ausklingen und rekapitulierte den Tag mit all meinen Supportern die vor Ort waren.

Es war ein unglaubliches und einmaliges Erlebnis. Auch wenn die Tage danach sehr schwer waren und mein Körper hart mit der Regeneration zu kämpfen hat und hatte, möchte ich diese Erfahrung nicht missen. Ein riesen Dank geht an all meine Supporter: Meine Eltern, die mich von Anfang bis Ende unterstützt haben, meine bessere Hälfte Theresa, die mir immer Rückhalt gegeben hat und mich im letzten halben Jahr mit all meinen Launen ertragen hat, an Julia, die eine super Rennbegleitung in Fulda als auch in Hamburg war, an Florian, der der Radstrecke stand, an Tobias, Pascal und alle anderen die mir Tipps gaben, wie ich das vorhaben angehen konnte, an Dani, dafür dass sie mich auf diesen irren Weg des Triathlons gebracht hat und allen voran an René, der mich bei so vielen Trainings begleitet hat und mir auch während des Rennen so viel Rückhalt wie irgend möglich gab.

Team-Ironman (v.l.): Florian Pfeiffer, Nils Kindel, Beate Kindel, Olaf Kindel, Julia Sojka & René Knipschild

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